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LIBER EMBLEMATUM
D. ANDREAE AL-
CIATI
NUNC DENUO
COLLATIS EXEMPLARIBUS
multo castigatior quàm unquam
antehac editus.
Kunstbuch
Andree Alciati von Meyland, bey
der Rechten Doctorn, allen liebhabern der
freyen Künst, auch Malern, Goldschmiden, Seiden-
stickern und Bildhauwern, jetzund zu sonderm nutz und
gebrauch verteutscht und an tag geben, durch Jere-
miam Held
von Nördlingen, mit schönen, lieb-
lichen, neuwen, kunstreichen Figuren
geziert und gebessert.

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Mit Römischer Keyserlicher Majestät Freyheit in ze-
hen jaren nicht nachzudrucken.
Gedruckt zu Franckfurt am Mayn,
M.D.LXVI. Page icon  Link to an image of this page  [a1v] Page icon  Link to an image of this page  [a2r]
Dem Ehrnve-
sten, Hochgelehrten, Ehrn-
wirdigen und Wolweisen Raymun
doGraff
, der Rechten Doctorn, Nas-
sauwischen Wißbadischen Raht, mei-
nem günstigen Herrn.

Ehrnvester, Hochge-
lehrter Herr, Euwer Ehrnvesten Hochwirdin
Wirdin seyen mein ge-
flissen willig dienst all-
zeit zuvor, Ehrnvester Hochgelehrter Herr.
Es schreibt der Poet
Sophocles in Aiace recht unnd wol, da er
also spricht: Decet virum memorem esse,
si quid illi suave accidit. Gratia enim sem
per gratiam parit, cui vero accepti benefi-
cii excidit memoria, is neutiquam est vir
generosus
. Das ist, Es stehet einem Mann
wol an, daß er ingedenck seye, so im etwas
freundtlichs widerfert, dann danck bringt
danck, so aber einer die empfangen gut und
wolthaten in vergeß stellet, der ist mit nich-
Page icon  Link to an image of this page  [a2v] ten für ein Bidermann zu halten, derglei-
chen taxation der undanckbarkeit, und ver-
manung, lob und preiß der danckbarkeit, fin
det man bey andern Heidnischen, Griechi-
schen
und Lateinischen weisen Männern
mehr, unnd das nicht allein in iren weisen
Sprüchen und Worten, sonder auch in ge
mehlen und fürbilden, damit sie mennig-
lich haben wöllen dienen. Dann mitten in
den Stetten und Flecken hetten sie die Kir
chen und Capellen Charitum auffgericht,
darinnen die drey Jungkfrauwen Gratiae
oder Charites nackend stunden gebildet,
hielten einander bey den henden, die zwo
waren mit irem Angesicht gegen uns ge-
kehrt, die dritt und mittelst aber von uns ge
wendt, mit welchem gemehl sie haben wöl-
len den Leuten eynbilden und lehren, daß
wolthat und danckbarkeit damitten under
den Leuten seyn sol, dadurch ein Communion
und gantze Gemein in stillem ruh und frie-
de zusammen gebunden und erhalten wür-
de, die sonst durch eigen nutz, untreuw und
undanckbarkeit, zertrennt und zerspalten fie-
Page icon  Link to an image of this page  [a3r] len, solche gutthaten und danckbarkeit sol-
len nackend seyn, das ist, sie sollen von Her
tzen geschehen, nit auß gleiß und schein, und
einander bey den Henden haben, daß ist, daß
die gutthaten und danckbarkeiten aneinan-
der hangen, und auff gutthaten die danck-
barkeiten billich und von rechts wegen vol-
gen solle, Daß aber die zwo eussersten sich ge
gen uns kehren und sehen, die mittelst aber
und dritt uns den rucken wendet und beut,
das lehret und gibt uns zu verstehen, erst-
lich daß wir an reichung der gutthaten nit
lassz noch träg sollen seyn, und uns die un-
danckbarkeit nit bald und leichtlich abschre
cken lassen, zum andern zeigt solches gemel
auch an die grösse der undanckbarkeit, daß
der danck weniger ist, und nit bald auff die
gutthaten folgt, Wie das auch Simonides
mit seinen zweyen Kisten hat zuverstehen ge-
ben, auß denen der gutthat Kist oder Truhe
voll war, aber die Kist deß dancks lär. Die
geschicht bezeugen auch daß die alten ein groß
scheuw und hassz ob der undanckbarkeit getra
gen haben, wie dann die that deß Königs Philip
Page icon  Link to an image of this page  [a3v] pi Macedonis
, deß Alexandri Magni Vat
ters, sonderlich außweist, der einen, so seinen
wolthäter der in bey Leben erhalten hette,
durch arglistigkeit und geschwinde fasche
practic auß seiner posseß und quasi turbiert,
außgetriben und entsetzt, in die Stirnen bren
nen ließ Ingratus hospes, ein undanckkarer
Gast. Mit diser weisen Heyden so Griechen
und Lateiner gewesen, herrlichen Sprüchen,
fürbilden, Getichten unnd Geschichten,
stimmen [=stimmt] uberein der Consens aller Völ-
cker der Welt, welche die obgenannten Bar
barisch, rauw, grob und wild, genannt ha-
ben, dann kein Volck so rauw, grob, wild
und Barbarisch je gewesen ist unnd noch
seyn mag, meins erachtens, daß diß eintzige
laster die undanckbarkeit nit gehasset, unnd
die danckbarkeit hoch gehalten hette, dann
inen solchs von Natur eyngebildet ist, und
lehrnens auß der Natur und Geschöpffen
Gottes täglich, wie wir solches an den un-
vernünfftigen Thieren auch sehn Die Stor
cken ernehren, tragen und versorgen ire alte
schwache und krancke Eltern, daher dann
Page icon  Link to an image of this page  [a4r] bey den Griechen die wörtlin Pelargein
und Antepelargein reciprociconire ent-
standen, und on zweiffel iren namen bey uns
Teutschen auß solcher Natürlicher eynge-
pflantzten Lieb Storcken von dem Griechi
schen wörtlin Storgae empfangen und uber
kommen haben, Dergleichen schreibt man
von den Kreen auch. Der Löw erkannt sei-
nen wolthäter der in geheilt hette, wil
im derhalben kein leid thun, sonder erzeigt
im alle Freundtlichheit. Von einem Adler
lesen wir daß er den Schnitter der in beym
Brunnen von der ummgewickelten Schlan-
gen erledigt hett, als seine andere Gesellen
alle das vergifft Wasser trancken, darvon
sie dann bald hernach starben, ime den Krug
auß den Henden gestossen und darmit vor
dem Tod gesichert und verwart habe. Was
sol aber ich von der weisen Heyden Dictis,
Sprüchen, Worten Getichten, Historien
und Geschichten, auch von dem gemeinen
Consens und ubereynstimmung der Thie-
rer Natur unnd eigenschafften sagen oder
schreiben? Ist doch die gantze heylige Ge-
Page icon  Link to an image of this page  [a4v] schrifft, klag, dröuwung, vermanung sampt
der Exempeln voll, die alle abmanen und
abweisen von der undanckbarkeit, und zu
der danckbarkeit reitzen und locken, denen
mir billich, so wir anderst Christen wöllen
seyn, und hie zeitlicher und dort ewiger straff
empfliehen, gehorsamen, anhangen und
beyfall thun sollen. Dieweil nun Ehrnve-
ster, Hochgelehrter Herr, ich (on ruhm zu
schreiben) von jugend auff mich geflissen
gegen menniglich wolthaten mit danckbar-
keit zu vergelten, und wo ich auß armut, man-
gel und gebresten deß Guts, dieselbigen mit
that und wercken nit geköndt, habe ich mich
doch beflissen mit meinem danckbarn Ge
müt solchs zu erstatten, derhalben euwer
Excellentz ich die Emblemata deß Hoch-
gelehrten und Ehrnvesten Herren Andree
Alciati von Meiland, der Rechten Doctor,
die ich in Teutsche Rheymen verfaßt und
gebracht, auch die Lateinischen Carmina
und Verß auß vielen Exemplaren zusam-
men haltung und inspection treuwliche er-
suchung der Griechischen Epigrammatum
Page icon  Link to an image of this page  [a5r] Planudis
, darauß dann die meisten ver-
tiert und genommen worden seind, emen-
diert und integritati restituiert habe (wie
solches dann Eure Excellentz selbs gesehen hat) die
auch mit schönen neuwen Figuren auffs
künstlichst und fleissigst auß verlegung deß
Ehrnhafften Herrn Sigismunds Feyera-
bents
geziert und verfertigt worden seind,
dedicieren, zueignen und schreiben hab wöl-
len, erstlich auff daß gegen euwer Excel-
lentz ich nit als ein undanckbarer kündte ge
halten werden, von dem ich vil freundtlichheit
und gutthat eempfangen, bekenne, daß auch die
alte, weiland von unsern Eltern angefan-
gene und gegründte freundtschafft, wider
durch euwer Erwirdin erneuwert und be-
festigt worden ist, das also ich mit diesem
meines Gemüts danckbarkeit erzeigete.
Zum andern dieweil Euwre Hochwirdige weißheit sich
mit der Tugendreichen und wolzüchtigen
Frauwen Eva, deß Ehrnhafften und Wol
geachten herren Johan Mayrs genannt
Stadelmann, weiland alten Herren Rahts-
freundt der löblichen Reichstatt Nördlin-
Page icon  Link to an image of this page  [a5v] gen seliger gedechtnuß, Tochter, Wittib,
verheurat und in Ehestandt begeben, habe
ich zu solcher hochzeit euwer Excellentz und
dero vertrauwten mit disem geringem Ge-
schenck (so viel mein arbeit belangt) als ei-
nem Epithalamion, Brautlied und Fröli-
cher glückswünschung Eurer Excellentz angefangens
Ehestands, wöllen verehren, verhoffend,
Cum vires desint, tamen laudaturum &
approbaturum voluntatem
, und werde mit
dem willen verlieb nemmen. Zum dritten, die-
weil der Autor diß Büchlins ein berümmter
hochgelehrter und vilerfahrner Jurist selbs
gewesen, und es einem fürtrefflichen, &c. Juri
sten, D. Conraden Peutingern von Aug-
spurg
, dediciert hatte, habe ichs keinem bil-
licher unnd von rechts wegen zuschreiben
künnen oder sollen dann Eurer Excellentz als wider ei-
nem fürtrefflichen wolberedten Juristen,
damit solches Büchlin, unnd fürnemlich
mein jetztgehabte arbeit und müh, vor deß
M. klügels tadeln und schnauben verwart
were. Zum vierdten, dieweil Eure Excellentz mir sol-
ches in Druck zu publicieren und fertigen
Page icon  Link to an image of this page  [a56r] ein anstiffter unnd vermaner ist gewesen.
Derwegen hierauff an euwer Hochgelehr-
te weißheit unnd Excellentz mein under-
diensthafft fleissig bitt ist, die wölle sampt
deren wol züchtig Tugendreich Gemahel
diß mein Papirin verehrung und Hochzeit
lich gab zu einer Gratulation und glücks-
wünschung vielgedachtes stands, und an-
zeigung meines underthenigen dienstbaren
Gemüts, günstig auffnemmen, unnd diß
mein arbeit, fleiß und mühe vor deß klaffers
gifftigen zungen und M. klügels tadlen,
vertheidigen und beschirmen, und mich sampt
die meinen euch befohlen seyn lassen, Das
steht umb Euwre Ehrnveste Hochgelehrte Ehrnwirdige Weißheit mir mit mei-
nem armen underthenigen willigen dienst
alle zeit ungespart zu verdienen. Thue hie-
mit Eure Excellentz sampt deren geliebten vertrauw-
ten Gemahel und Ehegarten in den schutz
und schirm deß allerhöchsten unnd mich
dero gantz underthenig befehlhend, mit bitt
und wünschung von der heiligen Ehe er-
sten Stiffter, Er wölle zu solchen euwer an-
gefangen von im eingesetzten verordneten
Page icon  Link to an image of this page  [a6v] und befohlnen standt sein Göttlich Gnad,
Glück, Segen, Benedeiung, Fruchtbar-
keit und mehrung, verleihen und beyde bey
einander in friedlicher gesundheit und stä-
ter Lieb biß an euwer end erhalten, und nach
disem Leben die ewig Freude und Seligkeit
bescheren, Amen. Geben zu Franckfurt am
Mayn, den 9. tag Septembris, in dem jar
unser Erlösung 1566.
Euwrer Ehrnvesten Hochgelehrten Weißheit
Dienstwilliger,
Jeremias Held.

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Vorrede an den Günsti-
gen Leser.

Ich weiß sehr wol, Günstiger
Leser, daß ich in verdeutschung
der Emblematum des hochge-
lehrten Herrn Alciati vil Zoilos, verbun
stige Mißgünner, lose Tadler, Meister
klügel, neidische, hönische Spötter und
Gaufferer würde haben, dern etliche wer
den daß Werck verachten, als daß es nit
wehrt seye daß einer seine zeit und weil
damit zubringe, es gebe auch nicht viel
nutz, dann daß es die Augen ein wenig
weide, und gehör nur fürnemlich den Ma-
lern, Goldschmiden, &c. und dergleichen
Handwercken zu: werdenEtlich mich die
Esopisch Kreen, die sich mit andern Vö
gel Federn geschmückt und bekleidt hat-
te, nennen. Etliche aber werden mein
Arbeit als ein leicht ding, das ein jeder
auch die Kind in Teutschland künnen, mit
andern dergleichen hönischen bittern,
spöttischen gaufferischen worten mehr,
welche alle ich nicht wirdig noch wehrt
halte einer eintzigen antwort, sonder
Page icon  Link to an image of this page  [a7v] viel mehr inen wünsche, daß sie in solchen
irem hon, gauffen, neid und spott fort-
faren zu belustigen, biß sie von solchem
bersten, wie ir heyliger Apostel unnd
Zwelffbott Sankt Judas Iscariot. Wann
durch diese nit etlich einfeltige und der
sach minder verstendige auch vergifftet
und abgehalten würden, Derhalben ich
denselbigen zu gut die nutzbarkeit und
den gebrauch diß Buch erkleren, dar-
nach meines thuns und verdeutschung
rechnung und antwort geben und an-
zeigen wil.

Die Nutzbarkeiten sind vil, doch könd
ten sie in zwo, als Hauptnutzen, eynge-
schlossen werden, Nemlich die so herr
lich, lustig oder lieblich seind, die Herr-
lichkeit spürt man an deren alten ur-
sprüngen und herkommen, dann nichts
elters ist schier als eben dise Kunst, dann
die Egyptier zweyerley Sprachen ge-
habt haben, ein gemeine LandSprach
und darnach ein besondere, die Sacra, daß
ist heilig und geweiht genannt worden
ist, dieselbige allein die Priester gelehr-
net und geköndt haben, welche nit mit
Page icon  Link to an image of this page  [a8r] Geschrifft und Buchstaben, sonder von
den Thieren und gewechsen, &c, und de-
ren Gliedern und theilen seind Gebildet
gewesen.

Zum andern so spürt man hierinn die
herrlichheit, daß es nit ein Volck allein
oder zwey im brauch gehabt haben, son
der die Egyptier, Griechen und Latei-
ner, &c. in sonderheit und fürnemlich, wel
che Völcker nit die schlechtesten der Welt,
sonder die fürtrefflichsten an sterck und
weißheit die berümbtesten gewesen sind.

Zum dritten ist nichts sinnreichers,
künstlichers und scherpffers, als solche
Sück [=Stücke] und Werck, dann das an im selber
tod ist, gibt einem andern daß leben, das
bloß und lär ist, erfüllt und geziert, das
stummend redt, das on vernunfft, gibt
ein grosse vernunfft von sich, das kein
verstandt hat, gibt eim andern ein ver-
standt, und das aller lehr unvehig, thut
andere lehren, &c.

Zum vierdten ligt in solchem grosser
verstandt und geheimnuß verborgen, die
nit ein jeder versteht. Zum fünfften, was
kan lustigers, herrlichers, und lieblichers
Page icon  Link to an image of this page  [a8v] seyn, als Historien und schöne Geschicht,
welcher in disem Büchlin sehr vil seind,
und nit gemeine alltegliche, sonder inson-
ders außgesuchte und erlesene.

Zum sechsten gleich wie die Historien
und Geschicht herrlich und lieblich sind,
also sind die Fabeln nit weniger lustig
und lieblich, erfreuwen, manen und leh-
ren, die dann auch die außerleßnesten in
diesem Büchlin gefunden werden.

Zum siebenden folgen auff die Fa-
bel diß Geticht, die dann zwischen der [=den]
Historii und den Fabeln das mittel ort
innhaben, die seind nicht allein herrlich
sonder auch lustig und lieblich, deren
auch ein gut theil und nur der besten in
diesem Kunstbuch gefunden werden.

Zum achten so ist auff gantzer Erde
nichts lieblichers, lustigers herrlichers
und darzu auch nützlichers, als die ge-
heimnuß der Natur zu erforschen und zu
erkündigen, on welches weder ein Theo-
logus in seiner Theologia, oder ein Jur-
rist in seinem Rechten, veil weniger ein
Medicus in seiner Artzney, ein Physi-
cus in seiner Natur, ein Mathemati-
Page icon  Link to an image of this page  [b1r] cus in seinen Linien und zalen, ein Astro
nomus in seinen Gestirn, ein Astrologus
in seinen Practicis, Prognosticis und
Warsagung, &c. glücklich fort fahren
und etwas nutzs und guts außrichten
kan, wil jetzt anderer Künst, Handthie
rungen und gewerb geschweigen, wel-
che ob sie wol hierinnen nicht gelehret
wirt, so begreifft sich doch deren nit ein
klein theil, die sie expliciert unnd auß-
legt.

Zum neundten hat diß Büchlin di-
sen nutz, das es von wegen seiner neuwe
den Leser belüstigt, dann dieweil alle neu
we vor uns unerhörte ding lustig sind,
und diß (ob wol irs ursprungs alt) neuw
vor bey uns Teutschen nit viel gesehen,
hat es diese luste unnd lieblichheit auch
mit andern neuwen gemein.

Zum zehenden so ist diß Büchlin bey
uns Teutschen nit allein neuw, sonder es
hat neuwe und sehr schöne Figuren und
Bildnussen, darinnen sich die Augen zu
sampt dem nutz weiden künden, und
weil sie schön, offter besehen und der ge-
dechtnuß fleissiger befohlen werden.

Page icon  Link to an image of this page  [b1v]

Zum eilfften dienen zur nutzbarkeit
nit wenig die Carmina und Verß, so nit
allein zierlich und lieblich, sondern zu der
gedechtnuß sehr bequem und tüglich.

Zum zwelfften so dienet solch Büch-
lin zu erhaltung und mehrung guter sit-
ten, und ist eins stummenden zucht und lehr
Meister, das von dem Bösen abmanet
unnd vor dem schaden warnet, zu dem
guten anhelt und fürdert, von welchem
allen weitleufftiger zu handlen weder
zeit noch ort erleiden wil.

Zum dreyzehenden ist diß Büch-
lin gleich wie ein Speiß oder Rüstkammer,
darauß man allerley Speiß oder Waffen
nemmen kan, nemlich solche Speiß die die
traurigen erfreuwen, die frölichen bey
derselben erhalten, die lassen stercken, die
starcken bekrefftigen, den schwermüti-
gen dieweil kürtzen: in summa darauß man
Lehr, Vermanung, Zucht, Tugend, gu
te Sitten und alle Bürgerliche ehrlich-
heit lehrnen und nemmen kan: darauß
auch ein jeder sein Haußraht, Gewand,
Teppich, Schilt, Wappen, Helm, Bit-
schier, Wend, Pfosten, Küssin und ander
Page icon  Link to an image of this page  [b2r] ding mehr zeichen und zieren kan.

Diß seind die fürnembsten nutzbar-
keiten und auch gebreuch dieses Büch-
lins, von welchen allen auff ein ander zeit
was weitleufftiger ich handlen wil. Nun
wil ich auch kürtzlich meiner arbeit und
müh ursach anzeigen. Nach dem etlich
vom Adel und andere ehrliche Leut der
Lateinischen Sprach unerfaren bey mir
die Emblemata Alciati gesehen, und etli-
cher Figuren bedeutnuß erfragt und von
mir angehört hatten, gefiele es inen so
wol, daß sie wünschten und zum theil
mich ansprachen, die zu verdeutschen und
in gebreuchliche Reymen zu bringen,
dieweil ich nun mit andern geschefften
zur selben zeit beladen, darzu nie vil von
dem Latein in das Teutsch vertiert, und
fürnemlich was Reimen belangt hette,
darneben die Materi schwer, darinnen vil
verborgner alter Historien, Geschicht,
Fabeln und Geticht, sampt andern eyn-
geschlossen und verleibt waren, die uns
Teutschen unbekannt, und mit so wenig
worten nit verstanden hetten werden
können, derhalben ichs selbmals mit obge
Page icon  Link to an image of this page  [b2v] setzten ursachen abschlug, Nach dem aber
ich hernach der geschefft etwas erleich-
tert, gedacht ich an diese ermanung, und
damit mich auch ein wenig exerciert,
und meine Studia Philosophiae und Artium,
die ich ein gute zeit andrer geschefft hal
ben ligen hett lassen müssen, wider ube-
te, darzu auch daß ich ein versuch thet,
obs müglich were hierinn etwas außzu
richten, underfieng ich mich deren etli-
che, die mir ziemlich, meins erachtens,
doch mit etwas mühe von statt giengen.
Nun waren deren uber vier oder fünff Em
blemata
nit, auff diß wurd ich wider mit
meinen vorigen alten geschefften uberfal
len, das ichs also fast ein gantz jar ligen
ließ, und schier nie daran gedacht. Nach
disem bekomme ich wider ruhe, derhalben
ich mich vollend, doch fürnemlich nur
wann ich andern meiner studien verdros-
sen war, und das meisttheil an den Feyer-
tagen, wann die andern zum Wein gien-
gen, damit ich mein weil auch verkürtzt,
daß ichs also nach und nach, successivè
wie mans nennt, von tag zu tag, uber
die helfft brachte, und war in dem an-
Page icon  Link to an image of this page  [b3r] fang und hernach mein gedancken nie
das ichs publicieren und in Druck auß-
gehen lassen wölt, biß daß erstlich
etlich Gelehrten Herren zeigete, und von
inen anhörte ir Judicia, und darnach an
derer Bücher halber mit den Ehrnhafften
Sigismundo Feyerabend und Georgio
Raben
in kundschafft kame, denen ichs
auff obgedachter Herren und Freundt
raht approbierung und vermanung an-
bote, die dann hernach Mündlich und
Schrifftlich vilfeltig angehalten, biß daß
ichs endtlich underhanden genommen,
wider ubersehen und verbessert, und die
ich noch nit vertiert vollend zu verteut
schen mich understunde, und also gedach
ten Herrn Druckern in dem namen Got
tes in Druck zu vertigen uberantwort.
Daß ichs aber behart habe, und in Druck
zu geben vermögen lassen, hat mich erst-
lich darzu verursacht die schöne und lieb
lichheit der Materi, Zum andern die lieb
meines Vatterlands, Zum dritten etli-
cher Gelehrter Leut vermanung und be
stätigung, Zum vierdten daß ich andern
Gelehrten ein anfang und ursach gebe
Page icon  Link to an image of this page  [b3v] in gleichem und höherm sich zu bemü-
hen. Zum fünfften dieweil ich sahe, das
vor mir etliche Gelehrte auch in gleichen
gearbeit hetten, und es nit neuw were
von einer Sprach in die ander ein Buch
zu transferieren, darzu von ehrlichen
und allergelehrtesten Leuten geschehen,
derhalben von etlichen Nasuten und selb-
gewachsenen Meister klügeln ich unbillich
proscindiert und der Krä verglichen wür
de, dann ich mich nit in eins ander Federn
verkleide, sonder meine eigne mir behalt,
laß auch dem Autori die seinen, allein ha
be ich disem Autori, der vor Togam Lati
nam
angehabt, einen Teutschen Rock
und Kleid angezogen, daß er bey uns
Teutschen auch under dem gemeinen
Mann unverhindert wandern kündte
und vilen nutz sey.

Das aber die Materi Kindisch sey
und leicht, nit wehrt daß sich einer damit
bemühe, kan der verstendig Leser auß
dem Büchlin selbs und darnach auß mei
nen vorgesetzten nutzbarkeiten leicht-
lich sehen, wie war solches geredt sey,
doch dieweil sie villeicht meinen, man
Page icon  Link to an image of this page  [b4r] solt solche Materi leichtfertigen Perso-
nen lassen, wil ich einem per exempla ant
worten. Diser Herr der Autor diß Büch
lins ist ein fürtreffenlicher beredter wei
ser hochgelehrter Herr und Mann gewe-
sen, hats auch dergleichen Herren und Mann
zugeschrieben, und hat dieser die meisten
auß den Griechischen Epigrammatibus
Planudis
vertiert, deren auch etlich die
Hoch und Wolgelährten Herrn Eras-
mus Roterodamus
, Vincentius Obso-
poeus
, Philippus Melanthon, Tho-
mas Venatorius
, und andere transfe-
riert haben, Uber daß alles so hat der ehr
wirdig, heilig, theuwer und werd Mann
D. Martin Luther, etliche Fabel Esopi
verteutscht (wil jetzt anderer geschwei-
gen) sind nun dise leichtfertige Personen,
so wil ich gern unnd lieber under irer
Zunfft seyn, dann under solcher stoltzen
Bachanten witz und ehr, dann sol man
leichtfertigen Personen solchs lassen und
befehlen, so muß das Werck auch leicht
fertig seyn, ist nun das Werck leichtfer-
tig, so sind eben also alle die jemals daran
arbeiten. Daß solchs aber die Kind in dem
Page icon  Link to an image of this page  [b4v] Teutschland kündten, wolte Gott das
solches war were, ich wölte gern ein
Kind mit seyn, dann deren ist das Himmel-
reich, teste Christo, so doch Christus und
Paulus solche hoffertige stoltze Phari-
seer und Eselsköpff von dem ewigen le-
ben außschliessen, und so es je so leicht sie
dünckt seyn, wölte ich gern daß sie mir es
nachtheten, oder dieweil je diß inen zu
Kindisch und spöttisch, daß sie doch ir Himm
lische Küste, wolt sagen Künst, liessen se
hen, und darnach eines andern vergeif-
ferten, gedechten an den Spruch Pau-
li, was urtheilstu eines andern Knecht,
er steht und felt seinem Herren. Item
die Gaben deß Geists sind mancherley.
Ich sage Gott dem Allmechtigen lob
und danck für diese gab (wiewol sie es
verachten) unnd halt sie für hoch, wils
auch Gott zu ehren, und seiner Kirchen
und meinem Nechsten und gantzem Vat
terland zu gutem unnd nutz brauchen,
und mein Pfündichen nicht vergraben.
Dum calor hos regit artus, Gott der ver-
leihe sein gnad und segen, Amen. Das
hab ich günstiger Leser zum eyngang
Page icon  Link to an image of this page  [b5r] diß Büchlins dich wöllen verstendigen,
und thue dich Gott befehlen. Datum
Franckfurt am Mayn den 9. tag Se-
ptembris, Anno 1566. In eyl,
ex Musaeo Sigismundi Fey-
erabent
.

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AD CLARISSIMUM VI-
RUM CONRADUM PEUTIN-
GERUM
AUGUSTANUM CAESAREAE
Maiestatis à Consiliis, loco Praefationis
& Dedicationis.

Dum pueros iuglans, iuuvenes dum tessera fallit,
Detinet & segnes Chartula picta viros:
Haec nos festivis Emblemata cudimus horis,
Artificum illustri, signaque facta manu.
Vestibus ut torulos, petasis ut figere parmas,
Et valeat tacitis scribere quisque notis:
At tibi supremus preciosa nomismata Caesar,
Et veterum eximias donet habere manus.
Ipse dabo vati Chartacea munera vates
Quae Conrade mei pignus amoris habe.

An den Ehrnvesten und Hochge-
lehrten Herren Conrad Peutingern von
Augspurg, beyder Rechten Doctorn, Keyserli-
cher Majestatt Raht, an statt der De-
dication und Vorred.

An den Feyer und Sontagen dieweil
Mit den Nüssen haben ir kurtzweil
Die jungen Knaben, und die Gesellen
Die Würffel uber das Kreiß bellen
Und ir weil mit den Karten gmalt
Page icon  Link to an image of this page  [b6v] Die Man vertreiben manigfalt
Hab ich diese Retterschen gemacht
Von Kunstreichen Meistern erdacht
Damit ein jeder kündt sein Gewandt
Schilt, Helm, zieren Teppich und Wandt
Und schreiben mit verborgner art
Das nit jeder verstehe zur fart.
Euch aber lieber Herr Conrad
Dieweil Keyserlich Majestat
Mit köstlichen Müntzen verehrt
Und alten Kunstreichen Wercken mehrt
Schick ich diß Papyrin geschenck
Das ein Poet deß andern denck
Das solt ir zu eim stäten pfandt
Meinr lieb gegen euch haben zhandt.


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